Buchrezension | They both die at the End

Am Ende sterben wir sowieso

Was wäre, wenn das Schicksal bei dir anklopft, um dich vor deinem bevorstehenden Tod zu warnen? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus einen solchen Anruf. Vom »Death Cast«, einer Organisation, welche die undankbare Aufgabe hat, den Menschen die schlechtesten aller Neuigkeiten zu überbringen: Sie werden heute sterben. Noch kennen Mateo und Rufus sich nicht, doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Die gute Nachricht lautet, dass es dafür eine App gibt: Sie heißt „Last Friend“ und durch sie werden sich Rufus und Mateo begegnen, um ein letztes großes Abenteuer zu erleben – und um gemeinsam ein ganzes Leben an einem einzigen Tag zu verbringen.

Autor: Adam Silvera

Genre: Young Adult, Abenteuerfiktion

Review

Was soll ich sagen – TikTok made me buy it! Dort wurde der Roman „Am Ende sterben wir sowieso“ (englischer Titel: „They Both die at the End“) von Adam Silvera nämlich mit Sätzen wie „Dieses Buch hat mein Herz 1000-mal gebrochen!“ oder „Diese Geschichte hat mich zerstört zurückgelassen.“ empfohlen. Ein Buch, das einen „zerstört“? Her damit!

Die Idee hinter Am Ende sterben wir sowieso kling anfangs nicht wirklich originell, ist aber in ihrer Ausführung genial. Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der alle Menschen von Mitarbeiter*innen einer Organisation, genannt Death Cast, per Anruf über ihren Todeszeitpunkt informiert werden – so a là „Hallo Herr XY, es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass sie innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben werden. Schöne Restlebenszeit noch!“. Diese Anrufe können jede*n jederzeit treffen. In dieser Geschichte sind zwei junge Erwachsene namens Mateo und Rufus die (Un)glücklichen.

Die beiden erhalten ihren jeweiligen Anruf in den denkbar unterschiedlichsten Situationen. Rufus ist gerade dabei, den neuen Freund seiner Ex-Freundin krankenhausreif zu prügeln, Mateo sitzt währenddessen mutterseelenallein in seiner Wohnung, da sein alleinerziehender Vater im Krankenhaus im Koma liegt. Ach ja, was noch erwähnenswert ist: Rufus und Mateo haben einander bis zu diesem schicksalshaften Zeitpunkt noch nie gesehen, geschweige denn wissen sie von der Existenz des Anderen. Ihr Aufeinandertreffen wird erst durch die App Last Friend ermöglicht – eine Art Facebook/Tinder für alle, die einen Anruf vom Death Last bekommen haben oder all jene, die den betroffenen Personen an ihrem letzten Tag beistehen wollen.

Das Buch behandelt wie erwähnt exakt die letzten 24 Stunden im Leben der beiden Protagonisten. Man blicktin diesen 24 Stunden jedoch vielen Persönlichkeiten über die Schulter, bekommt Einblicke in verschiedenste Schicksale und erhält dabei noch einige inspirierende Geschichten und Einstellungen zum großen over-all Thema Tod inklusive Sinn des Lebens mit auf den Weg.

Diese gewisse Tiefe kommt auch in der Hauptstory nicht zu kurz: Schnell stellt sich heraus, dass Rufus und Mateo ein match made in heaven sind. Verschieden und doch irgendwie auf der gleichen Frequenz – das macht es sehr unterhaltsam und schön, ihrer Beziehung, die, wenn mehr Zeit da gewesen wäre, noch so viel Potential gehabt hätte (!), beim Wachsen zuzusehen. In Am Ende sterben wir sowieso begleitet man die beiden jungen Erwachsenen zu all ihren Stationen an dem letzten Tag ihres Lebens. Familie und Freunde, die sich wie genau das anfühlen, werden verabschiedet, einmalige Bucketlist-Erlebnisse werden nachgeholt (Es gibt eigene „Parks“, in denen man alle typischen Make-a-Wish-Foundatin-Momente virtuell gegen Bezahlung erleben kann – von Schwimmen mit Haien bis zu Skydiving.), generell wird noch viel Geld ausgegeben und auch ein wenig gefeiert. Was bringt es einem viel am Konto zu haben, wenn man tot ist?

Das Ende der Geschichte kommt dann in allerletzter Sekunde und doch so unerwartet, obwohl man ja eigentlich schon nach der ersten Seite weiß, was leider unvermeidlich geschehen wird. Auch sämtliche Nebencharaktere gelangen schlussendlich an ihr Ziel und man bleibt nach diesem Roman vielleicht nicht komplett „zerstört“, aber ganz sicherlich beeindruckt, nachdenklich und berührt zurück. Am Ende sterben wir sowieso war wirklich ein Erlebnis und überzeugt vor allem mit Kreativität, liebenswerten Charakteren und sehr viel Herzenswärme.

Fazit

Dieses Buch hat nahezu alle erdenklichen Emotionen in mir ausgelöst: Freude, Spannung, Wut, Traurigkeit, Frustration, … Und ja, auch wenn der Titel das Ende schon spoilert und man praktisch auf jeder Seite des Buchs aufs Neue daran erinnert wird, was einem am Ende erwartet – mich haben die letzten Seiten dann doch kalt erwischt. Am Ende sterben wir sowieso ist somit ganz sicher nicht nur ein Buch für „junge Erwachsene“ (Was soll das überhaupt sein?). Eher ist dieser Roman eine ganz feine, präzise Beobachtung, die ihre Leser*innen verändert zurücklässt.

Bewertung: 9/10 Punkte

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