Buchrezension | Opfer 2117

Die Realität – härter als jede Fiktion

Nacheinander werden sie ans Ufer geschwemmt. Menschen, denen die Flucht aus ihrem Heimatland und in ein besseres Leben um Haaresbreite nicht gelungen ist. Doch eine Leiche ist anders – die alte Frau ist nicht im Meer ertrunken, sie wurde erschossen. Das Foto von Opfer 2117 geht um die Welt. Ausgerechnet in Dänemark stößt es gleich zweimal auf besonders große Aufmerksamkeit: Zum einen sieht ein introvertierter Einzelgänger darin den Grund für einen bestialischen Rachefeldzug gegen die Kälte und das fehlende Mitgefühl der Menschheit, zum anderen erkennt Assad, Carl Morcks Mitarbeiter beim Sonderdezernat Q, in der alten Frau eine alte Bekannte wieder – und wird dadurch auf brutale Weise mit seiner Vergangenheit im nahen Osten konfrontiert.

Autor: Jussi Adler-Olsen

Genre: Thriller, Kriminalroman

Review

Ich kann mich wirklich Sonderdezernat-Q-Fan der ersten Stunde nennen. Jeden Band der, mittlerweile auch schon 8-teiligen, Reihe habe ich sofort nach seinem Erscheinen gekauft und in einem Happen verschlungen. Und mit jedem Mal haben mich Jussi Adler-Olsens Bücher aufs Neue begeistert. Die Ermittler Carl und Assad sowie ihre „Sekretärin“ Rose, welche seit dem ersten Buch der Reihe zur Stammbesetzung gehören, habe ich schon längst allesamt ins Herz geschlossen. Und auch die individuellen Protagonisten jedes Bandes sind immer wieder auf eine eigene Art und Weise total überzeugend und schaffen es, mich mitfiebern und das Buch in wenigen Tagen fertig lesen zu lassen.

Okay nein, eigentlich stimmt das nicht so ganz. Genau genommen trifft das oben Geschriebene nur auf die ersten sechs Bände der Reihe zu. Die fand ich nämlich allesamt richtig, richtig gut. Leider konnte der siebte Band Selfies da schon nicht mehr mithalten. Das Buch war im Vergleich zu seinen Vorgängern um ca. 200 Seiten länger und dementsprechend langatmiger. Und genau das Gleiche gilt für den den aktuellsten Band Opfer 2117 – leider.

Schon lange nicht mehr hatte ich mit einem Buch anfangs so zu kämpfen wie mit Opfer 2117. Und das, obwohl die Story an sich – Flüchtlingskrise, Terroranschlag, Amoklauf – thematisch sofort mein Interesse geweckt hat. Natürlich hat mich Assads Vergangenheit, die in Opfer 2117 eindeutig im Mittelpunkt steht, gepackt und mitgenommen. Doch Jussi Adler-Olsen braucht meiner Meinung nach anfangs einfach viel zu lange, bis es wirklich zur Sache geht und spannend wird. Während des ersten Drittels des Buchs musste ich es mehrmals aus der Hand legen, weil ich mich schlichtweg nicht dazu motivieren konnte, weiterzulesen. Das endete sich aber kurz vor der Mitte des Buchs erheblich: Da wurde es nämlich, in alter Carl-Morck-Manier so richtig spannend. Vor allem im letzten Drittel hat mich die Geschichte dann komplett in ihren Bann gezogen.

Was ich, ähnlich wie beim Vorgänger Selfies, etwas schade fand, war, dass meine geliebten Ermittler ziemlich im Hintergrund agierten. Schon klar: Assad war eindeutig Protagonist des Bandes, aber seine witzigen Wortverwechslungen, die scharfsinnigen Schlussfolgerungen von Rose oder Carls bissige Kommentare kamen bei Opfer 2117 eindeutig zu kurz. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein Großteil der Handlung in Deutschland stattfindet und so nicht wirklich viel für Carl & Assad zum Ermitteln übrig bleibt.

Wenn ich diese Rezension so lese, klingt das alles furchtbar negativ. Ganz so schlimm war es natürlich nicht. Wie gesagt: Ab dem zweiten Drittel wurde Opfer 2117 richtig spannend und auch, wenn die gewohnten Protagonisten nicht ganz so präsent waren, war das Buch durchaus unterhaltsam. Außerdem fand ich es extrem interessant, hinter die Kulissen eines geplanten Terroranschlags und die Vorgehensweise der Behörden zu blicken. Jussi Adler-Olsen öffnet vielen seiner Leser mit Opfer 2117 ganz bestimmt die Augen für all das, was gerade auf unserer Welt passiert.

Fazit

Im Endeffekt hat es sich gelohnt, das Buch zu lesen – trotz Startschwierigkeiten. Falls die Sonderdezernat-Q-Reihe noch um ein paar Bände erweitert wird (was ich sehr hoffe!) – würde ich mir wünschen, dass Jussi Adler-Olsen wieder etwas mehr an seinen Stil der ersten Bände anknüpft und die Länge seiner Bücher wieder ein bisschen reduziert.

Bewertung: 6,5/10 Punkte

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