Buchrezension | Das Geschenk

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Der Kleinkriminelle Milan Berg ist Analphabet. Deshalb kann er den Zettel, den ein verängstigtes Mädchen, auf dem Rücksitz eines an der Ampel stehenden Wagens, gegen die Scheibe presst, auch nicht lesen. Doch Milan ist sich sicher: Er wurde gerade Zeuge einer Entführung. Zusammen mit seiner Freundin Andra begibt er sich auf eine gefährliche Verfolgungsjagd. Und entdeckt dabei, dass auch er selbst mehr in den Fall verwickelt ist, als ihm lieb ist.

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Psychothriller

Review

First of all: Nein, die Headline ist kein Anzeigefehler deines Browsers. 😉 Wenn du wissen willst, was genau es damit auf sich hat, wirst du wohl oder übel weiterlesen müssen …

Bei Sebastian Fitzek weiß man mittlerweile schon in etwa, was einen bei seinen (Psycho)Thrillern erwartet:

  • eine Story, die mit Höchstgeschwindigkeit voranschreitet und einen beim Lesen nahezu durch das Buch hetzt
  • ganz besondere Protagonisten, allesamt ausgestattet mit geheimnisvollen Vergangenheiten und einem Leben voller schicksalshafter Ereignisse
  • und ein fulminantes Finale voller Action, unerwarteten Wendungen und nicht zu vergessen einer Menge Blut, Schweiß und Tränen

Auch der neueste Thriller aus Fitzeks Feder Das Geschenk bleibt diesem Erfolgskonzept treu. Warum auch nicht? Schließlich funktioniert’s.

Beginnen wir mit dem Wichtigsten: Der Story an sich. Wie immer nimmt Sebastian Fitzek seine Leser mit auf eine irrwitzige Achterbahnfahrt der Gefühle und begibt sich dabei, meiner Meinung nach, des Öfteren auf einer Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion. Und doch (oder genau deshalb) hatte mich Das Geschenk von der ersten Seite an fest am Haken. Der ständige Wechsel der Erzählperspektive und die Tatsache, dass man dadurch als Leser stets mehr weiß, als die Charaktere selbst, machen das Leseerlebnis umso spannender. Die Story läuft von Anfang bis zum Ende mit Höchstgeschwindigkeit. Auf jeder Seite passieren 100 Dinge gleichzeitig, keine Zeile lang verspürt man beim Lesen Langeweile. Das große Finale findet dann – wer hätte es anders erwartet – mit einem monströsen Twist statt, den ich – auch wenn ich mich innerlich schon auf alle möglichen Szenarios eingestellt hatte, in dieser Art und Weise nicht kommen gesehen habe.

Besonders gut hat mir gefallen, wie Sebastian Fitzek in Das Geschenk mit dem Thema Analphabetismus umgeht. Milan, der Protagonist scheitert im Lauf der Geschichte immer wieder an – für uns ganz normalen – Alltagssituationen. Sei es beim Lesen der Speisekarte, von Straßenschildern oder Schlagzeilen in der Zeitung. Da ein großer Teil der Handlung aus Milans Perspektive erzählt wird, werden Nachrichten, die er aufgrund seines Defizits nicht entziffern kann, auch im Buch mit verwirrenden Zeichen und Symbolen dargestellt. (Siehe z.B. die Headline dieses Beitrags! 🙂 ) So ist man als Leser exakt derselben Hilflosigkeit ausgeliefert, wie Milan selbst. Genau mit solchen Stilmitteln schafft es Sebastian Fitzek, die Hürden im Alltag von Analphabeten zu verdeutlichen, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang belehrend zu wirken.

Ein weiterer großer Pluspunkt von Das Geschenk: Die Charaktere. Sebastian Fitzek hat es in meinen Augen bisher in jedem seiner Bücher aufs Neue geschafft, ganz skurrile und einzigartige Persönlichkeiten zum Leben zu erwecken. Auch in diesem Thriller tritt wieder keine einzige Person in Erscheinung, die man auch nur ansatzweise als „normal“ oder „0815“ bezeichnen könnte. Vom Analphabeten Milan, der sich aufgrund seines Defizits mehr oder weniger dazu gezwungen sieht, das tägliche Leben durch mehr oder weniger gesetzwidrige Aktionen zu bestreiten, bis zu seiner Freundin Andra, die nach einem verhängnisvollen Fehler vor vielen, vielen Jahren jeden Tag aufs Neue ihre Schuld begleicht. Selbst die (scheinbar unbedeutenden) Nebencharaktere besitzen detaillierte Vergangenheiten und stehen in äußerst vielschichtigen Beziehungen zueinander.

Mein einziger Kritikpunkt an Das Geschenk: Teilweise fand ich die Handlung ein wenig zu abgedreht. Nicht falsch verstehen: Ich finde es absolut super, wenn nichts so ist, wie es scheint! Aber irgendwie kommt mir vor, dass die finalen Auflösungen am Ende von Sebastian Fitzeks Büchern bei jedem Buch noch absurder und realitätsferner werden. Ja, am Ende denkt sich höchstwahrscheinlich jeder Leser: „Puh, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet!“, aber dieses Ergebnis ließe sich mit ein bisschen weniger „Science Fiction“ meiner Meinung nach auch erreichen …

Fazit

Wer einen Fitzek kauft, bekommt auch einen Fitzek zu lesen. Entweder man findet seine Bücher super oder halt nicht. Ich zähle ganz klar zur ersten Kategorie und daher hat mich auch dieses Buch wieder von Anfang an in seinen Bann gezogen. Auch wenn ich mir teilweise sogar ein paar Plot-Twists weniger und dafür ein bisschen mehr Nähe zur Realität gewünscht hätte.

Bewertung: 8/10 Punkte

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