Buchrezension | Die stumme Patientin

Der Schein trügt

Die Künstlerin Alicia und ihr Ehemann, der Ausnahmefotograf Gabriel, sind ein echtes Traumpaar. Doch eines Tages wird Gabriel tot im Wohnzimmer gefunden. Mit mehreren Schusswunden im Kopf. Und Alicia mit dem Gewehr in der Hand direkt neben ihm. Die Künstlerin befindet sich seit der Ermordung ihres Mannes in der geschlossenen Anstalt einer psychiatrischen Klinik. Und genauso lange hat sie schon kein Wort mehr gesprochen. Doch jetzt, viele Jahre nach dem Mord, ist der neue Psychotherapeut Theo fest davon überzeugt, Alicia therapieren – und zum Sprechen bringen zu können.

Autor:  Alex Michaelides

Genre: Psychothriller

Review

Als „Spannungs-Bestseller des Jahres 2019“ wird „Die stumme Patientin“ von Alex Michaelides bezeichnet und dabei vor allem Fans von „Gone Girl“ und „The Woman in the Window“ empfohlen. Doch mit diesen erstklassigen Thrillern kann dieses Buch in vielerlei Hinsicht nicht mithalten. Wer den Thriller mit hohen Erwartungen aufschlägt, wird ihn höchstwahrscheinlich enttäuscht wieder schließen. 

Die Geschichte an sich kling (zumindest im Klappentext) ganz interessant. Die Malerin Alicia sitzt seit sieben Jahren in einer geschlossenen Anstalt und hat seit dem Mord an ihrem Ehemann kein Wort gesprochen, sondern lediglich ein Bild gemalt. Der neue Psychotherapeut der Anstalt, Theo Faber, hat ganz besonderes Interesse an ihrem Fall und will sie nun zum Sprechen bringen. Rätselhafter Mord + verstummte Täterin (?) + eine Vielzahl an Geheimnissen – das scheint doch eigentlich nach einer echten Erfolgsgarantie für Psychothriller. Doch bei „Die stumme Patientin“ geht die Rechnung leider nicht auf. Weder die Storyline noch die „Twists“ schaffen es, einen beim Lesen wirklich zu fesseln. Meiner Meinung nach der größte Wermutstropfen: Die unnahbaren, fast schon langweiligen Charaktere.

Zum liest man die Geschichte aus der Sicht von Theo Faber, dem Therapeuten. Zum anderen erlebt man Geschehnisse aus Vergangenheit und Gegenwart aber auch in Form von Tagebucheinträgen durch die Augen der Patientin sowie Hauptverdächten im Mordfall Alicia. Beide Protagonisten werden als kalt, verschlossen und distanziert dargestellt. Bei Alicia überrascht das nicht, da sie kein Wort spricht, doch auch Theo Faber ist von Anfang an nicht viel mehr als unsympathisch und uninteressant.  Zwar geht der Autor bei beiden Charakteren sehr stark auf ihren Hintergrund, ihre privaten Beziehungen und Gefühle ein, trotzdem fällt es schwer, zu ihnen eine Bindung oder wenigstens ein bisschen Sympathie zu entwickeln. Das wird mit steigender Seitenzahl auch nicht besser. 

Der Spannungsfaktor bleibt bei „Die stumme Patientin“ leider auch auf der Strecke. Immer wieder lässt Alex Michaelides das Fachwissen aus seiner eigenen Arbeit als Psychotherapeut einfließen, was eigentlich interessant wäre, jedoch sehr theoretisch präsentiert wird und der Geschichte so des Öfteren den Wind aus den Segeln nimmt. Stück für Stück, Seite für Seite erfährt man mehr über die Protagonisten, ihre Kindheit und die Dämonen, die sie bis in die Gegenwart verfolgen, doch dadurch wird, vor allem in Theos Fall, auch der finale Twist viel zu früh vorhersehbar. 

Fazit

Die Hoffnung, dass Alex Michaelides einer dieser Autoren werden würde, dessen Bücher man am liebsten eins nach dem anderen verschlingen will, ist, zumindest in meinem Fall, nach diesem Thriller erloschen. Wenn weder die Geschichte selbst, noch die Charaktere oder der Schreibstil für ein Buch sprechen, können auch viele hochkarätige Empfehlungen das Leseerlebnis nicht mehr retten. 

Bewertung: 5/10 Punkte

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