Buchrezension | Die stumme Patientin

Der Schein trügt

Die Künstlerin Alicia und ihr Ehemann, der Ausnahmefotograf Gabriel, sind ein echtes Traumpaar. Doch eines Tages wird Gabriel tot im Wohnzimmer gefunden. Mit mehreren Schusswunden im Kopf. Und Alicia mit dem Gewehr in der Hand direkt neben ihm. Die Künstlerin befindet sich seit der Ermordung ihres Mannes in der geschlossenen Anstalt einer psychiatrischen Klinik. Und genauso lange hat sie schon kein Wort mehr gesprochen. Doch jetzt, viele Jahre nach dem Mord, ist der neue Psychotherapeut Theo fest davon überzeugt, Alicia therapieren – und zum Sprechen bringen zu können.

Autor:  Alex Michaelides

Genre: Psychothriller

Review

„Ein seltenes Juwel: der perfekte Thriller.“ „Absolut brillant…“ „Intelligentes, durchdachtes Storytelling plus Hochspannung – ein hervorragender Thriller in jeglicher Hinsicht.“ So lauteten nur einige, der vielen Empfehlungen namhafter Bestseller-Autoren auf dem Cover von Die Stumme Patientin. Habe ich mich davon zum Kauf dieses Buchs beeinflussen lassen? Ja. Teile ich die ausnahmslose Begeisterung von A.J. Finn, Lee Child und Co.? Nein, keinesfalls.

Ich hatte wirklich hohe Erwartungen an Die stumme Patientin. Immerhin wurde dieser Psychothriller als „Spannungs-Bestseller des Jahres“ bezeichnet und vor allem für Fans von Gone Girl und The Woman in the Window empfohlen. Doch mit diesen erstklassigen Thrillern kann Die stumme Patientin in meinen Augen nicht einmal ansatzweise mithalten.

Die Story an sich ist (zumindest im Klappentext) ganz interessant. Rätselhafter Mord + verstummte Täterin (?) + viele, viele Geheimnisse: Das klingt doch eigentlich nach einer echten Erfolgsgarantie für einen Psychothriller. Doch bei Die stumme Patientin funktioniert in meinen Augen leider einfach gar nichts. Weder die Handlung, noch die „Twists“ und schon gar nicht die Charaktere.

Letzteres ist meiner Meinung nach das größte Problem dieses Psychothrillers: Die Charaktere. Die Story wird zum einen aus der Sicht von Theo, dem neuen Psychotherapeuten, der ganz besonderes Interesse an Alicias Fall hat, und zum anderen aus der Sicht von Alicia selbst, in der Form von Tagebucheinträgen, erzählt. Was soll ich sagen: Beide waren mir von Anfang an voll und ganz unsympathisch. Zwar geht Alex Michaelides bei beiden Protagonisten sehr stark auf ihre Hintergrundgeschichte, privaten Beziehungen und Gefühle ein, doch trotzdem konnte ich zu keinem von beiden eine Bindung oder wenigstens ein bisschen Sympathie entwickeln. Ich habe wirklich mit jeder Seite aufs Neue gehofft, dass sich das ändert, doch keine Chance.

Der Faktor Spannung bleibt bei Die stumme Patientin leider auch auf der Strecke. Immer wieder lässt der Autor sein theoretisches Wissen zum Thema Psychotherapie einfließen – das nimmt der ganzen Geschichte des öfteren den Wind aus den Segeln. Stück für Stück erfährt man mehr über die Protagonisten, ihre Kindheit und ihre Dämonen – doch vor allem in Theos Fall wird dadurch der „finale Twist“ viel zu früh vorhersehbar.

Fazit

Ich habe wirklich gehofft, dass Alex Michaelides einer dieser Autoren werden würde, dessen Bücher ich der Reihe nach verschlingen und auf jede Neuveröffentlichung sehnlichst warten würde – aber das ist wohl eher nicht der Fall. Mich haben weder die Charaktere noch die Story überzeugt und der „Twist“ am Ende konnte das Ganze dann auch nicht mehr retten.

Bewertung: 5/10 Punkte

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