Buchrezension | Der Fund

Kokain, Mafia, Supermarkt.

Die 53-jährige Supermarktverkäuferin Rita hat noch nie auch nur einer Fliege etwas zuleide getan. Doch als sie eines Tages einen verhängnisvollen Fund in einer Lieferung Bananen macht, wendet sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen um 180°. Eins steht fest: Rita musste sterben und der Fall ist offiziell endgültig abgeschlossen. Nur einer will einfach nicht aufgeben. Ein Polizist – man erfährt seinen Namen nicht – scheint wie besessen von Ritas Schicksal und hört nicht auf, nachzuhaken.

Autor: Bernhard Aichner

Genre: Thriller

Review

„Keiner schreibt wie Bernhard Aichner. Ganz toll. Unverwechselbar!“ Dieses Zitat meines absoluten Lieblingsautors Sebastian Fitzek direkt auf dem Cover von Der Fund hat mich endgültig davon überzeugt, das schwarze Hardcover zur Kasse der Wagner’schen Buchhandlung zu tragen. Und siehe da – ich habe sogar, ohne es zu wissen, eine Ausgabe mit Autogramm des Autors ergattert.

Oft bin ich an diesem Buch im Regal vorbeigelaufen, noch öfter habe ich es im Zuge des Krimifests Tirol auf meinen Sozialen Netzwerken entdeckt – trotzdem ist es für eine sehr lange Zeit nicht in meine Hände gewandert. Ich habe Bernhard Aichner bei der letztjährigen Eröffnung des Krimifests live gesehen und er war mir wirklich sehr, sehr, sehr sympathisch! Doch seine Bücher haben mir bis dato leider so gar nicht zugesagt. Totenfrau zum Beispiel habe ich eher enttäuscht aus der Hand gelegt und auch die weiteren Teile der Reihe nicht mehr in Angriff genommen. Der kurze, stakkatoartige Stil des Autors, der allseits gefeiert wird, war gar nicht nach meinem Geschmack.

An Der Fund kam ich dann aber irgendwie doch nicht vorbei. Und so begann ich zu lesen. Bereits nach den ersten Seiten wurde mir klar, dass sich der Schreibstil des Buchs nicht mehr ändern würde. Zu einem großen Teil besteht Der Fund nämlich aus Polizeibefragungen – und die sind einfach nur als Dialog zu lesen. Zeile für Zeile, ohne Anführungszeichen, beschreibende Emotionen oder sonstige Zusätze. Zunächst war es befremdlich, doch ich habe mich relativ schnell daran gewöhnt und empfand den Stil dann sogar als eine willkommene Abwechslung zum herkömmlichen Fließtext.

Nun zur Handlung: Es dauerte ein wenig, bis mich die Geschichte gänzlich in ihren Bann gezogen hatte, aber ab diesem Zeitpunkt (etwa nach einem Viertel des Buchs) war ich dann wirklich gefesselt und konnte schlussendlich gar nicht anders, als das Buch in einer Session fertig zu lesen. Die Protagonistin Rita und ihre Gedanken und Gefühle werden sehr genau beschrieben und das ist auch wirklich essentiell, um ihre – in meinen Augen teilweise sehr irrationalen – Entscheidungen und Handlungen nachvollziehen zu können. Die restlichen Charaktere sind allesamt Unikate: Von der im Sterben liegenden, pensionierten Richterin, die zu ihrem Lebensende hin Kokain-Tee für sich entdeckt, bis zum stinkreichen, extravaganten Millionär mit Mutterkomplexen.

Die stets brave Rita und ihr Gefolge begeben sich in Der Fund auf eine irrwitzige Achterbahnfahrt voll von Drogen, Gesetzesbrüchen und Lügen. Von Anfang bis zum Ende, hat man als Leser nicht den geringsten Funken Ahnung, was denn jetzt noch als Nächstes kommen soll. Und das hat mir SEHR gut gefallen.

Wenn ich länger darüber nachdenke, ist Der Fund eigentlich schlichtweg skurril. Handlung, Charaktere, Erzählweise, alles. Und daher: Definitiv lesenswert. Denn beschreiben lässt sich dieses Buch einfach nicht in verstänlicher Art und Weise.

Fazit

Wer sich Bernhard Aichners Der Fund zulegt, erhält garantiert das, was er sich erwartet. Einen sehr gut durchdachten Thriller mir unverwechselbaren Charakteren, einer hochspannenden Story und dem gewissen Etwas. Ich war sehr positiv überrascht und werde dem nächsten Thriller des Autors definitiv wieder eine Chance geben!

Bewertung: 8/10 Punkte

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