Buchrezension | Im dunklen, dunklen Wald

Zickenkrieg mit tödlichen Folgen

Manche Partys sind besser, manche schlechter. Ähnlich verhält es sich bei Thrillern. „Im dunklen, dunklen Wald“ von der britischen Bestseller-Autorin Ruth Ware geht es zwar um eine Party mit tödlichen Folgen, von Spannung fehlt aber jede Spur. 

Autorin: Ruth Ware

Genre: Thriller

Review

Als Nora eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemaligen besten Freundin Clare erhält, ist sie mehr als überrascht. Immerhin hat sie Clare seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen. Geplant ist ein idyllisches Wochenende in einem Haus aus Glas tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands. Was soll schon schief gehen? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief. Und die Vergangenheit droht, sie einzuholen. 

Dabei scheint am Anfang der Geschichte noch alles gut. Keine Spur von Blutvergießen und tödlichen Intrigen. Und schon bald wird klar: Da kommt auch nichts mehr. Was auf dem Klappentext als „hochintelligenter Thriller, gruselig und richtig süchtig machend“ beschrieben wird, ist in Wahrheit nur eins: langweilig. Die ersten 200 Seiten passiert gefühlt gar nichts, die Charaktere sind allesamt nur sehr oberflächlich und blass gezeichnet. Die Protagonistin Nora wirkt leider von Seite eins an schwer von Begriff. Als sie sich für einen recht umfangreichen, langatmigen Teil des Buchs im Krankenhaus aufhält und versucht, ihre Erinnerungslücken zu schließen, erreicht der Spannungsbogen schließlich seinen absoluten Tiefpunkt. 

Muss man „Im dunklen, dunklen Wald“ an dieser Stelle weiter bzw. fertig lesen? Eigentlich nicht. Der einzige Lichtblick ist schlussendlich das ungewöhnliche Setting. Das „Glasshouse“ in dem der Junggesellinnenabschied stattfindet, erinnert an eine Vitrine oder gar einen Käfig. Überall einsehbar, ohne Versteckmöglichkeit. Ruth Ware beschreibt diese Location auch so genau, dass man gar nicht anders kann, als sie sich vor Augen genauestens auszumalen – da kommt zum ersten Mal so etwas wie Atmosphäre auf. Spoiler Alert: Gruseliger wird’s nicht mehr. 

Naja, was sich vielleicht auch noch als gruselig bezeichnen ließe, ist die extreme Naivität der Protagonistin. Nach dem großen Finale will man sie nur noch an den Schultern packen, durchschütteln und anschreien: „Offensichtlicher geht’s ja nicht!“ Ein weiterer Minuspunkt: Gerechtigkeit und Logik bleiben beim finalen Plot Twist auch auf der Strecke. Somit ist „Im dunklen, dunklen Wald“ eigentlich nicht mehr als eine Tragödie mit sehr wenig Spannung, etwas gruseliger Atmosphäre und faden Charakteren. 

Fazit

„Im dunklen, dunklen Wald“ will kein blutiger Psychothriller sein, muss es ja auch nicht. Schließlich gibt es in jeder x-beliebigen Buchhandlung eine Vielzahl an Spannungsliteratur, die nur so von Brutalität und expliziten Gewaltszenen wimmelt. Ein Mindestmaß an Spannung darf man sich von einem Thriller aber schon erwarten. Bei diesem von Ruth Ware ist sie wohl im dunklen, dunklen Wald verloren gegangen.  

Bewertung: 4/10 Punkte

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